Dienstag, 28. September 2010

"Konsumboom?"

Fast täglich grüßt das Murmeltier bzw. der deutsche Aufschwung. Heute wird mal wieder der der Gfk-Konsumklimaindex als Beleg zelebriert. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelt den Index an Hand ihrer monatlichen Umfrage bei 2000 Konsumenten, die für September eine spürbare Verbesserung ihrer Verbraucherstimmung signalisieren. Die Konjunktur- und Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung der Konsumenten steigen an. Der Gesamtindikator des Gfk-Konsumklimaindex prognostiziert nach revidierten 4,3 Punkten im September für Oktober einen Wert von 4,9 Indexpunkten. Dieser Indikator misst nicht die real getätigten Ausgaben der Verbraucher, sondern liefert ausschließlich ein Stimmungsbild auf der Basis der 2000 Befragten! Dies ist ein kleiner aber signifikanter Unterschied.

Die Entwicklung des Konsumklimaindex seit Januar 2006.

Die Gfk übertreibt allerdings in ihrer Headline der Pressemitteilung etwas: "Konsumklima auf Drei-Jahres-Hoch", denn mit 4,9 Indexpunkten liegt der Gesamtindex noch knapp unter dem Stand von Mai 2008 mit 5,0 Punkten. Was machen aus dieser Meldung die Speerspitzen des Aufschwungs-Journalismus (Spon): "Konsumboom: Deutsche shoppen die Krise weg" und gleich darunter: "Die Bundesbürger blicken optimistisch in die Zukunft - und kaufen wieder fleißig ein." Die Zeit verfällt ebenfalls diesem empirischen Tiefgang: Für die Verbraucher ist die Krise vorbei und "Sie shoppen so gern wie vor der Krise."

Diese Sichtweise reflektiert nicht bzw. verkennt komplett den existierenden Fragebogen der Gfk, denn aus keiner der gestellten Fragen und deren Beantwortung bei der Erhebung des Konsumklimaindex, ließe sich ableiten: "Bundesbürger...kaufen wieder fleißig ein."

Die Fragen der Gfk an die 2000 Konsumenten:

  • Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die finanzielle Lage Ihres Haushaltes in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?
  • Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die allgemeine Wirtschaftslage in Deutschland in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?
  • Wie werden sich Ihrer Ansicht nach die Verbraucherpreise in den kommenden zwölf Monaten im Vergleich zu den letzten zwölf Monaten entwickeln?
  • Glauben Sie, dass es in Anbetracht der allgemeinen Wirtschaftslage derzeit günstig ist, größere Anschaffungen (Möbel, elektrische/elektronische Geräte usw.) zu tätigen?
  • Glauben Sie, dass es in Anbetracht der allgemeinen Wirtschaftslage derzeit ratsam ist, zu sparen?

Es werden also nur Erwartungen und Glaubensbekenntnisse abgefragt, diese verdeutlichen klar, dass es sich nur um einen reinen Stimmungsindikator handelt.

In der PDF zu den Erhebungsmethoden wie auch in der aktuellen Pressemitteilung, weist die Gfk daraufhin, dass ein Konsumklimaindex von 4,9, wie für Oktober 2010 ermittelt, in etwa einem Anstieg des realen privaten Verbrauch von +0,5% zum Vorjahresmonat entspricht! Wie kann man eine +0,5%-ige Steigerung der realen privaten Konsumausgaben als Boom bezeichnen?

Die wahre Geschichte der realen privaten Konsumausgaben in Deutschland ist leider fast so traurig, wie die der noch schlechteren realen Einkommensentwicklung der Arbeitnehmer. Reloaded: "Reallöhne auf dem Niveau wie vor 19 Jahren"

Im 2. Quartal 2010 stiegen die realen saison- und kalenderbereinigten privaten Konsumausgaben um +0,56% zum Vorquartal und sanken um -0,71% zum Vorjahresquartal. Seit dem Jahr 2000 bis Q2 2010 stieg der preis- saison- und kalenderbereinigte Kettenindex (2000 = 100) der privaten Konsumausgaben des Statistischen Bundesamtes um "sagenhafte" +3,23%! Selbst nominal ging es bei den saison- und kalenderbereinigten privaten Konsumausgaben nur um +12,33% seit Q1 2000 aufwärts, auf 358,76 Mrd. Euro im 2. Quartal 2010. Quelle Daten: Genesis.destatis.de/Datenbank

Mit dieser nominalen Steigerungsrate liegt Deutschland auch im internationalen Vergleich weit abgeschlagen hinten:

Die Steigerungsrate der bereinigten nominalen privaten Konsumausgaben von Q1 2000 bis Q2 2010 für Deutschland und einigen ausgewählten Volkswirtschaften laut den Daten von Eurostat. Quelle: Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Montag, 27. September 2010

"Japans Exporte sinken kräftig im August"

Nach den heutigen Daten des japanischen Finanzministeriums sind die Exporte von Waren und Gütern im August 2010 um +15,8% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die war die schwächste prozentuale Steigerung seit 8 Monaten!

Die monatliche Entwicklung des Exportvolumens in Prozent zum Vorjahresmonat seit 1985.

Das Exportvolumen sank im August 2010 um kräftige -12,7% zum Vormonat auf 5,2241 Billionen Yen, nach 5,9827 Yen. Zum Hoch im März 2008 mit einem Exportvolumen von 7,6817 Billionen Yen beträgt der Einbruch nun wieder satte -31,99%! Die Daten im Langfristchart seit Januar 1980 sind die unbereinigten Originalexportvolumen.

Die Exporte nach China machten ein Drittel aller japanischen Exporte nach Asien aus. Um +18,5% zum Vorjahresmonat stieg das Volumen bzw. auf 1,0481 Billionen Yen. Aber der Exportpower nach China bröckelt im August 2010 kräftig, denn zum Vormonat ging es um -9,4% abwärts.

Japans PKW-Exporte stiegen im August zwar noch um +20,4% zum Vorjahresmonat auf ein Volumen von 355'347 Fahrzeugeinheiten, aber im Vergleich zum Vormonat mit 435'258 PKWs ging es um kräftige -18,36% abwärts!

Die Entwicklung von Importvolumen (rot) und Exportvolumen (blau) seit Januar 1979. Zum Vorjahresmonat stiegen die Importe um +17,9% auf 5,1209 Billionen Yen und sie blieben auch im Vergleich zum Vormonat halbwegs stabil, sie sanken nur um -1,15%. Das Hoch bei den Importen wurde im Juli 2008 mit 7,4525 Billionen Yen markiert. Dies ist ein Einbruch von -31,03% bis zum August 2010.

Der japanische Handelsbilanzüberschuss sank im August 2010 um -37,5% zum Vorjahresmonat auf 103,221 Mrd. Yen und um gewaltige -87,13% zum Vormonat Juli 2010 mit einem Überschuss von 801,986 Mrd. Yen!!

Der starke Einbruch der japanischen Exporte im August 2010, im Vergleich zum Vormonat, dürfte bereits ein deutliches Signal der Erlahmung der weltweiten konjunkturellen Kräfte sein!

Quelle Daten: Customs.go.jp/Datenportal, PDF Customs.go.jp

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"Skandalöse Entwicklung"

Die aktuelle Nachrichtenlage in Deutschland macht die sich aufstauende Schieflage bei den politischen Entscheidungen offensichtlich! An die Hypo Real Eastate wurden im Zuge der Bankenrettung 142 Mrd. Euro an staatlichen Garantien gegeben und sie wurde zusätzlich mit einer staatlichen Rekapitalisierung von 9,95 Mrd. Euro ausgestattet. Die Banker welche 2009 mit der HRE einen Verlust von -2,236 Mrd. Euro einfuhren, erhalten nun als "alternativlose Leistungsanerkennung" 25 Millionen Euro an Boni. Der Ex-Vorstandsvorsitzenden der HRE, Axel Wieandt erhält ab dem 60. Lebensjahr eine jährliche Pension von fast 240'000 Euro, obwohl er nur 18 Monate für die verstaatlichte HRE tätig war. Auch die HRE-Vorstände Kai Wilhelm Franzmeyer und Frank Krings bereiten ihren Abgang vor und kassieren dann, ab ihrem 60. Lebensjahr, jeweils 186'000 Euro jährlich an Pensionen.

Zum 30. September soll der HRE-Kreditschrott mit einem Volumen von 191,1 Milliarden Euro von der FMS Wertmanagement, einer Abwicklungsanstalt unter dem Dach des staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin, übernommen werden. Die FMS Wertmanagement wird mit Kapital in Höhe von 3,87 Mrd. Euro ausgestattet sein und dieses dient der Abdeckung erwarteter Verluste aus der Abwicklung der übertragenen Portfolien. Für darüber hinausgehende Verluste besteht eine Nachschusspflicht des SoFFin nach § 8a des Finanzmarktstabilisierungsfondsgesetzes. Dies heißt nichts anderes, als das für die potentiellen Verluste aus Risikopositionen der Kredite, Wertpapiere und Derivate der HRE in der Bad Bank der Steuerzahler haftet.

Laut Bundesfinanzministerium (BMF) dürfte die europäische Statistikbehörde (Eurostat) die Bad Bank der FMS mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Staat zuordnen. Im Falle einer vollständigen Zuordnung der 191,1 Mrd. Euro zum Staats-Sektor, erhöhen sich die Vermögenswerte (Aktiva) des Staates um diese Summe, aber auch der Schuldenstand des Staates um die entsprechenden Verbindlichkeiten (Passiva) der Bad Bank. Die Maastricht-Schuldenstandsquote für Deutschland würde um bis zu 8 ½ Prozentpunkte steigen.

Das BMF betont zwar, dass der Schuldenstandseffekt rein statistischer Natur ist, da er keine zukünftigen Zinszahlungen der öffentlichen Haushalte zur Folge hat und das der Schuldenstand sich entsprechend der Abwicklung des auf die FMS Wertmanagement übertragenen Portfolios abbaut - jedoch basiert dies auf einer unrealistischen Annahme, denn die Risiko-Assets der HRE in Höhe von 191,1 Mrd. Euro werden sich nicht ohne Verluste abbauen lassen!

Auch bei den anderen deutschen Bankinstituten mit Staatshilfen, sollen laut FAZ, 200 Banker wieder auf ein Jahressalär von mehr als 500'000 Euro kommen. Die Aufsichtsbehörden scheinen diese Praxis zu tolerieren, leichtfertig und unverantwortlich wird das Geld der Steuerzahler bei der HRE und der geplanten Bad Bank, bei Boni und Gehaltszahlungen für Banker unter staatlicher Aufsicht verschleudert!

Im Gegensatz dazu kann der staatliche Apparat auch verdammt kleinlich sein. Unter der zynischen Überschrift "Transparent, fair, zukunftsorientiert" veröffentlichte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die neuen Regelsätze für Hartz IV. Das Bundesverfassungsgericht, das Statistisches Bundesamt, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundeskabinett wurden bemüht, für eine Findung der Regelsatz-Erhöhung von Hartz IV Empfängern von schlappen 5 Euro im Monat. Dies entspricht 3 Kugeln Eis in den Potsdamer Platz Arkaden in Berlin und diese Eiskugeln spiegeln u.a. Preise wider, die sich jenseits der offiziellen Verbraucherpreisindizes und der gefühlten Lebenswirklichkeit von gut situierter Bürokraten aus dem Berliner Regierungskomplex befinden. Von 359 Euro im Monat soll nun der Regelsatz auf 364 Euro „schnellen“.

Im August 2010 erhielten trotz "Jobwunder" 4,962218 Millionen Erwerbsfähige Hartz IV. Davon waren sogar 542'000 in sozialversicherungspflichtige Jobs tätig, die mit Alg II aufgestockt wurden und davon wiederum skandalöse 324'000 mit sozialversicherungspflichtigen Jobs in Vollzeit! Weitere 1,831613 Millionen Nicht-Erwerbsfähige, meist Kinder, erhielten ebenfalls Hartz IV. Insgesamt erhielten im August 2010 6,79 Millionen Leistungen nach Hartz IV!

Die 5 Euro Erhöhung entspricht ca. 30 Millionen Euro im Monat und 360 Millionen Euro im Jahr und selbst diese Summe könnte noch viel zu hochgegriffen sein, denn die Hartz IV Beträge für Kinder bleiben ja unverändert.

Die vermeintlich "römische Dekadenz" aufgeschlüsselt in Zahlen:
Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke: 128,46 Euro;
Bekleidung und Schuhe: 30,40 Euro;
Gesundheitspflege: 15,55 Euro;
Bildung: 1,39 Euro;
Wohnen, Energie, Wohnungsinstandhaltung (ohne Miete und Heizkosten): 30,24 Euro;
Innenausstattung, Haushaltsgeräte: 27,41 Euro;
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen: 7,16 Euro;
Verkehr: 22,78 Euro;
Nachrichtenübermittlung (z.B. Telefon): 31,96 Euro;
Freizeit, Unterhaltung, Kultur: 39,96 Euro;
andere Waren und Dienstleistungen: 26,50 Euro.
Die somit ermittelten 361,81 Euro für den künftigen Regelsatz wurden "großzügig" auf 364 Euro aufgerundet.

Bei der Neuberechnung der Regelleistungen wurde zurückgegriffen auf die Einkommens- und Verbrauchsstatistik (EVS) des Statistischen Bundesamtes. Aus der Stichprobenstatistik der EVS wurden die Ausgaben des untersten Einkommensfünftel ermittelt und aus diesen die Regelsätze für lebensnotwendigen Dinge bestimmt. Das Ministerium für Arbeit und Soziales verweist darauf, dass auf Basis dieser Daten das Existenzminimum vom tatsächlichen Verbrauch und damit von der Lebenswirklichkeit unterer Einkommensgruppen abgeleitet wurde.

Dabei würde fast jeder Euro an Hartz IV Erhöhung direkt in Kaufkraft münden, denn bei diesem niedrigen Niveau würde wohl der größte Teil, selbst von 50 Euro mehr, direkt in den Konsum fließen. Hier zeigt sich wieder die verfehlte deutsche Wirtschaftspolitik - nichts wird getan für die Ankurbelung der Binnennachfrage und damit für einen nachhaltigeren selbsttragenden Aufschwung, denn auch bei denen die Arbeit haben war die Lohnentwicklung in den letzten Jahren, im internationalen Vergleich betrachtet, äußerst schwach:

Im Vergleich die prozentuale Entwicklung der nominalen Arbeitnehmerentgelte von 2000 bis 2009 von Deutschland und ausgewählten Volkswirtschaften. Die Arbeitnehmerentgelte spiegeln die Gesamtbruttosumme aller Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer, Angestellten, Beamten, aller in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis stehenden wider, inklusive der Sozialbeiträge der Arbeitgeber. Quelle Daten für die Grafik: Eurostat/Datenbank-Wirtschaft Finanzen-Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

Die Entwicklung der realen (preisbereinigten) Nettolöhne und -gehälter seit 1991. Selbst unter Berücksichtigung des sicher geschönten Verbraucherpreisindex (VPI) liegen die durchschnittlichen realen Nettojahreslöhne je Arbeitnehmer knapp unter dem Niveau von 1991. Quelle Daten: XLS Destatis.de/ Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung Lange Reihe Blatt 1.8.2

Bei der Begleichung des Defizits der gesetzlichen Krankenversicherung greift die Bundesregierung tief in die Taschen der gesetzlich versicherten Arbeitnehmer und schwächt weiter deren Kaufkraft, während die Pharmalobby und andere Profiteure der Ausgabenexplosion im Gesundheitswesen ungeschoren bleiben. Die angekündigte Erhöhung der Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse (GKV) auf 15,5% wird einem Volumen von 6,3 Mrd. Euro entsprechen. In der Zukunft werden die Arbeitnehmer alle künftigen Beitragserhöhungen selber tragen müssen, während der Arbeitgeberanteil bei 7,3% eingefroren wird. Gleichzeitig wird der Wechsel von Gutverdienern zur privaten Konkurrenz erleichtert, was zu weiteren Einnahmeverlusten der GKVs führen wird! Zusätzlich drohen den Versicherten noch einkommensunabhängige Zusatzbeiträge in unbeschränkter Höhe, wenn die Mittel für die Krankenkassen nicht ausreichen. Ein bürokratischer Sozialausgleich soll dann erfolgen, wenn der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2% des Einkommens übersteigt.

Da die Einnahmen der GKVs an die Einkommen der Versicherten gekoppelt sind, zeigt dieser Chart, dass die Entwicklung völlig aus dem Ruder gelaufen ist und die Ausgabenexplosion keine solide Basis auf der Einnahmeseite, auf Grund der schwachen Lohnentwicklung hat. Seit 2000 sind die nominalen Arbeitnehmerentgelte um +11,44% (real -3,46%) gestiegen, während die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen um nominal +27,73% auf 170,78 Mrd. Euro anstiegen.

Die Verwaltungskosten der noch 166 gesetzlichen Krankenkassen beliefen sich 2009 auf 8,91 Mrd. Euro und stiegen seit 2000 um +22,05%. Völlig entrückt ist der Anstieg der Arzneimittelkosten um +54,56% auf 30 Mrd. Euro. Auch die Honorare der Ärzte stiegen seit 2000 um +34,31% auf voraussichtlich 32,1 Mrd. Euro im Jahr 2010 nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes.

Banken- , Pharma- und Atomlobby haben diese Regierung fest in Griff, wichtige Weichenstellungen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik um dieses Land krisensicherer zu machen wurden unterlassen. Die Exportlastigkeit des deutschen Wirtschaftsmodells ist eine gefährliche Schieflage, angesichts der überreizten Defizitkonjunkturen in vielen Ländern und die soziale Schieflage bei Europas Exportmeister ist ebenfalls unübersehbar. Gleichzeitig bestimmt Aufschwungspropaganda statt Aufklärung über die Ursachen der Wirtschafts- und Finanzkrise den überwiegenden Teil der Medien und selbst übelsten Realitätsverdrehern wird Gehör verschafft, so z.B. in Die Welt-Online: "Nicht die Banken- und Finanzkrise hat unsere Länder an den Rand des Bankrottes gebracht, sondern der Sozialstaat."

Reloaded: "Reallöhne auf dem Niveau wie vor 19 Jahren", "Nachschlag", "Voodoo-Schland", "6,81 Millionen mit weniger als 9,06 Euro Brutto"

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Samstag, 25. September 2010

"Schwache Daten vom US-Immobilienmarkt"

Die Neubauverkäufe (New Home Sales) in den USA verharrten im August 2010 ganz in der Nähe der historischen Tiefststände, seit Beginn der Datenerhebung durch das US-Census Bureau im Januar 1963! Die Neubauverkäufe lagen im August 2010 unverändert bei 288‘000 Wohneinheiten saisonbereinigt und aufs Jahr hochgerechnet (SAAR)! Dies war eine Veränderung von +/-0,0% zum Vormonat mit revidierten 288'000 (ursprünglich 276'000) und von -28,9% zum Vorjahresmonat von 405'000 Wohneinheiten.

Der Blick auf die langfristige Datenreihe der New Home Sales seit Januar 1963. Im Vergleich zum Hoch im Juli 2005 mit 1,389 Millionen verkauften Wohneinheiten beträgt der Absturz bis Juli 2010 unfassbare -79,27%!

Die unbereinigten Originaldaten der New Home Sales fielen im August 2010 auf 25'000 verkaufte Wohneinheiten, nach 27'000 im Vormonat. Das Allzeittief wurde mit 24'000 verkauften Einheiten im Dezember 2009 und im Januar 2010 markiert.

Besonders brachial erscheint dieser Kollaps seit den Hochs vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung, denn im Januar 1963 zu Beginn der Datenerhebung wurden bei 188,013 Millionen Einwohnern mehr neugebaute Immobilien verkauft, als im August 2010 mit 310,306 Millionen Einwohnern.

Noch deutlicher macht die Entwicklung dieser Chart:

Die monatlichen Häuserverkäufe je 10'000 Einwohner seit Januar 1963. So wurden im Januar 1963 noch 31,4 Wohneinheiten je 10'000 Einwohner verkauft. Zum Hoch im Juli 2005 waren es 46,9 Wohneinheiten und im August 2010 nur noch 9,28 verkaufte Wohneinheiten je 10'000 Einwohner, dies entsprach einem Einbruch zum Hoch von -80,21%.

Aber vor allem die Neubauverkäufe sind relevant für das Wirtschaftswachstum und die Arbeitsplätze, denn ohne eine Erholung am Wohnungsmarkt wird es bei der wichtigen Baubranche zu einem weiteren Stellenabbau kommen. Dies unterstreichen auch die Angaben der National Association of Home Builders, nach denen jedes neugebaute Haus im Durchschnitt das Äquivalent von drei Arbeitsplätzen für ein Jahr sichert und für ca. insgesamt 90'000 Dollar Einnahmen aus diversen Steuern sorgt.

Der mediane Kaufpreis für neue Häuser fiel im August bereits den dritten Monat in Folge, um -0,58% zum Vormonat auf 204'700 Dollar, nach 205'900 Dollar im Juli, nach 218'000 im Juni und nach 230'500 Dollar im Mai! Im Vergleich zum Vorjahresmonat fielen die durchschnittlichen Preise um -1,2%. Das Hoch wurde im März 2007 mit 262'600 Dollar markiert, ein Einbruch der Preise seitdem von -22,05%. Hinzufügen muss man, dass die Kaufpreise stetigen und kräftigen Revisionen unterzogen werden, was gewisse Zweifel an der Datenqualität aufkommen läßt.

Die Preis-Blase bei den New Home Sales, aus exzessiver Kreditausweitung, niedrigen Hypothekenzinsen und Geldentwertung bewegt sich immer noch komfortabel mit +1'190% über dem Level des Beginns der Datenerhebung im Jahr 1963, damals mit einem medianen Preis von 17'200 Dollar.

Die Verkäufe bestehender Häuser (Existing Home Sales) stiegen im August 2010, nach Angaben der National Association of Realtors (NAR), um +7,6% auf saisonbereinigte und auf das Jahr hochgerechnete 4,13 Millionen Einheiten im Vergleich zum Vormonat, nach dem satten Einbruch von -27,2% im Juli (3,83 Millionen Einheiten). Zum Vorjahresmonat ging es um -19% abwärts (5,1 Millionen Einheiten).

Die Verkäufe bestehender Häuser (Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen) seit Januar 2005 im Chart. Die 4,13 Millionen verkauften Einheiten im August 2010, markieren den zweittiefsten Stand seit Erhebung der Daten im Jahr 1999.

Der Bestand der zum Verkauf angebotenen bestehenden (gebrauchten) Immobilien sank leicht im August um -0,6% auf 3,98 Millionen, dies entspricht einem abzuarbeitenden Rückstau bei den Verkäufen aus dem Bestand von 11,6 Monaten, nach 12,5 Monaten im Juli und nach 8,9 Monaten im Juni.

Der mediane Verkaufspreis für bestehende Wohnimmobilien sank im August den zweiten Monat in Folge, um -1,9% auf 178'600 Dollar, nach 182'100 Dollar im Juli und 183'000 Dollar im Juni. Zum Hoch im Juli 2006 mit 230'200 Dollar ging es bis August 2010 um -22,4% abwärts!


Den Auswuchs der Vermögenswertblase in den letzten 2 Jahrzehnten an den US-Immobilienmärkten verdeutlichen die Daten der US-Notenbank aus dem Flow of Funds Accounts, der umfassenden Vermögens- und Schuldenaufstellung der USA:

Die Entwicklung der Immobilienvermögen der privaten Haushalte (ohne Nonprofit Organisationen) seit Q1 1952. Das Immobilienvermögen der privaten Haushalte stieg laut US-Notenbank im 2. Quartal 2010 auf 17,118 Billionen Dollar, nach 17,072 Billionen Dollar im Vorquartal. Zum Hoch in Q3 2006 mit 22,677 Billionen Dollar brach das Immobilienvermögen um -24,5% bzw. um -5,559 Billionen Dollar ein!

In Q3 2010 müsste es mit dem Immobilienvermögen wieder weiter abwärts gehen, wenn man die medianen Verkaufspreise für Juli und August bei den Neubauverkäufen und den Verkäufen bestehender Immobilien betrachtet.

Das Nettoimmobilienvermögen der privaten Haushalte nach Abzug der Hypothekenschulden brach seit dem Hoch in Q1 2006 bis Q2 2010 um -51,72% auf 6,968 Billionen Dollar ein!

Das Immobilienvermögen in Prozent, dass allen privaten Haushalten nach Abzug der Hypothekenschulden selber gehört lag in Q2 2010 bei nur 40,7%.

Während die Immobilienvermögen der privaten Haushalte zum Hoch in Q3 2006 um -24,5% bzw. um -5,559 Billionen Dollar einbrachen, stiegen die Hypothekenschulden zu Q3 2006 um +4,5% bzw. um +431,5 Mrd. Dollar! Das ausstehende Hypothekenvolumen der privaten Haushalte betrug in Q2 2010 immer noch 10,1267 Billionen Dollar. Der Abbau des Schuldenberges an Hypotheken zum Hoch in Q1 2008 mit 10,6055 Billionen Dollar beträgt nur -478,8 Mrd. Dollar. Zusammen mit den Konsumentenschulden betrug die Gesamtverschuldung der privaten Haushalte in Q2 2010 13,4503 Billionen Dollar und damit 118,66% der jährlichen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte!

Dies ist auch der Hauptgrund, warum die klassische Geldpolitik versagt, denn alle Bereiche der Gesellschaft sind hoffnungslos verschuldet! Wegen der Überschuldung und den Überkapazitäten kann der Immobilienmarkt trotz historisch niedriger Hypothekenzinsen nicht angekurbelt werden.

Die Entwicklung der 30-jährigen Hypotheken mit einem festen Zinssatz seit Januar 1971. Im August 2010 betrug der Zinssatz für eine 30-jährige Festhypothek 4,43%, nach 4,56% im Juli und markierte damit ein neues Allzeittief. In der Woche zum 23. September 2010 ging es bei den Weekly Mortgage Rate auf einen Zinssatz von 4,37% abwärts!

Die Gesamtverschuldung (Credit Market Debt Outstanding) des Staates explizit, der privaten Haushalte, der Unternehmen inkl. dem Finanzsektor stieg in Q2 2010 leicht auf 52,0545 Billionen Dollar und betrug 357,15% des nominalen Bruttoinlandsprodukts der USA. Die steigenden Staatsschulden kompensieren also weiter, die Kreditschrumpfung der anderen Bereiche.

Beim Credit Market Debt Outstanding (52,2807 Billionen Dollar im Jahr 2009) handelt sich es allerdings nur um die Verbindlichkeiten aus den Kreditmarktinstrumenten, die gesamten Verbindlichkeiten (Total Liabilities) der USA gab die FED in der Flow of Funds Matrix for 2009 mit 114,4281 Billionen Dollar an.

"The reason we are all here is that the financial system is broken. We can use that term in late 2008, and I think it’s fair to still use the term, unfortunately. We know that parts of it are absolutely broken, like the mortgage market which only happens to be the most important part of our capital markets." Paul A. Volcker, former chairman of the Federal Reserve, at the Federal Reserve Bank of Chicago’s 13th annual International Banking Conference (23.09.2010) Quelle: Nytimes.com/volcker-financial-system-is-broken

Quellen Daten: Census.gov/New Home Sales, Realtor.org/News Releases, Existing Home Sales, Federalreserve.gov/PDF FED Z1 Release Flow of Funds Account Q2 1010

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Freitag, 24. September 2010

"Ifo-Index steigt den 4. Monat in Folge"

Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im September 2010 zum vierten Mal in Folge auf den höchsten Stand seit Juni 2007 gestiegen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg leicht auf 106,8 Punkte, nach 106,7 Zählern im Vormonat, teilte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) heute mit.

Die Entwicklung des ifo-Geschäftsklimaindex seit Januar 1991.

Die aktuelle Geschäftslage der 7000 befragten Unternehmen verbesserte sich weiter im September, der Index der aktuellen Geschäftsbeurteilung stieg auf 109,7 Indexpunkten, nach 108,2 Punkten im Vormonat. Die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate sanken allerdings auf 103,9 Indexpunkten, nach 105,2 Punkten im Vormonat und 105,6 Punkten im Juli.

Besonders bei den Einzelhändlern soll sich das Geschäftsklima merklich verbessert haben: "Wir erwarten reale Lohnsteigerungen bei hoher Arbeitsplatzsicherheit", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger zu Reuters. "Das stärkt die Inlandskräfte." Der Aufschwung werde nicht mehr so stark wie bisher vom Export abhängen. Der Positivismus der Medien schäumte darauf heute regelrecht über: "Hört die Ifo-Signale!", so die Frankfurter Rundschau und weiter "Denn es passiert etwas Ungeheuerliches: Die Binnennachfrage zieht an. Sie haben richtig gelesen!....Im Einzelhandel lief es sogar so gut wie zuletzt im Vereinigungsboom, also vor 20 Jahren."

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist allerdings nur ein Stimmungsindikator und vielleicht kann man an den ermittelten Ergebnissen auch die Kompetenz der Befragten ein wenig ablesen, denn die härteren Wirtschaftsdaten geben diesen Optimismus nicht her:

Der Index der realen bereinigten Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994. Der Abwärtstrend ist seit Dezember 2006 weiter intakt. Der reale nach dem X12-Arima Verfahren bereinigte Index sank nach den letzten Daten von Destatis im Juli 2010 auf 98,0 Punkte, nach 98,3 Punkte im Juni.

Die realen (preisbereinigten) Konsumausgaben der privaten Haushalte stiegen im 2. Quartal 2010 um +0,56% zum Vorquartal und um sanken im Vergleich zum Vorjahresquartal um -0,71%. Was für ein Boom!

Auch nominal ging es bei den saisonbereinigten Konsumausgaben der privaten Haushalte nur um +1,16% zum Vorquartal und um ebenfalls +1,16% zum Vorjahresquartal aufwärts, auf 348,450 Mrd. Euro. Seit Q1 2000 stiegen die nominalen saisonbereinigten Konsumausgaben der privaten Haushalte nur um 19,75% und damit liegt Deutschland bei der Steigerungsrate im internationalen Vergleich weit hinten!

Der ifo Geschäftsklimaindex kommt hier wieder zur Vorlage und wird dann mit den, Auftragseingängen der Industrie, dem Output der Industrieproduktion, dem Exportvolumen und den Einzelhandelsumsätzen im September abgeglichen.

Noch zur Methodik des ifo Geschäftsklimaindex: "Die Fragen, wie die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen und wie sich die Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten in konjunktureller Hinsicht verändern wird, sind dabei bewusst unscharf formuliert. Den Unternehmen wird selbst überlassen, anhand welcher Kriterien sie ihre Geschäftslage bewerten. Durch diese Art der Fragestellung wird ein hohes Maß an Flexibilität erreicht, da die Unternehmen die für sie relevanten Faktoren wählen können. Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse hängt von Position und Funktion der ausfüllenden Person ab. Die Interpretation, was unter Geschäftslage und Geschäftsentwicklung zu verstehen ist, wird dabei bewusst den Befragungsteilnehmern überlassen." Quelle Zitate: PDF Cesifo-group.de/portal/ifoContent

Quelle Daten: Cesifo-group.de, Destatis/Datenbank reale Einzelhandelsumsätze und reale Konsumausgaben der privaten Haushalte, Eurostat/Datenbank nominale saisonbereinigte Konsumausgaben der privaten Haushalte

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Donnerstag, 23. September 2010

"Reallöhne auf dem Niveau wie vor 19 Jahren"

Die schwache Lohnentwicklung in Deutschland und damit moderat steigende Arbeitskosten und vor allem auf Grund der hohen Produktivität langsam steigende Lohnstückkosten haben in den letzten Jahren neben der Euro-Einführung die Wettbewerbsposition Deutschlands enorm verbessert und zum Exporterfolg wesentlich beigetragen.

Die prozentuale Entwicklung der saisonbereinigten nominalen Lohnstückkosten Deutschlands gegenüber den wichtigsten Volkswirtschaften aus dem gemeinsamen Währungsraum und weiteren ausgewählten Volkswirtschaften von Q1 2000 bis Q1 2010. Quelle Daten: OECD.org/statsportal

Der deutsche Erfolg im Außenhandel befeuert allerdings kräftig die Ungleichgewichte im Welthandel und führt auf der anderen Seite zu ausufernden Handelsbilanzdefiziten importierender Länder und damit zu deren negativen Leistungsbilanz. Die erzielten Leistungsbilanzen erhöhen jedoch mit den Überschüssen/Defiziten immer die Gläubiger- bzw. Schuldnerposition gegenüber dem Ausland und die realwirtschaftlichen Ungleichgewichte sind die tiefere Ursache der Finanzkrise, da sich die Defizitländer im Ausland, mit der Gesamtheit ihrer Wirtschaftssubjekte immer weiter verschulden.

Die jährlichen Leistungsbilanzüberschüsse- und defizite ausgewählter Länder seit 1980 bis zum Jahr 2009 in Mrd. Dollar. Im ersten Halbjahr 2010 laufen die Leistungsbilanzen im Vergleich zu 2009 wieder kräftig auseinander.

Eine Lehre aus der Wirtschafts- und Finanzkrise muss zweifellos der Abbau oder wenigstens die Verringerung von realwirtschaftlichen Ungleichgewichten sein! In diesem Zusammenhang wurde in den letzten Monaten Kritik im Ausland an der Lohnpolitik in Deutschland laut, denn der deutsche Beitrag zur Verringerung der Ungleichgewichte im Welthandel müsste in der Ankurbelung der Binnennachfrage liegen und dafür wären u.a. steigende Löhne notwendig.

Gestern verteilte nun das Statistische Bundesamt eine erste Ladung Beruhigungspillen an die Kritiker und berichtete: "Reallöhne steigen um 2,3%". Sofort sprang die "offizielle" Presse auf den Zug und berichtete, so SpiegelOnline: "Löhne in Deutschland steigen kräftig" und auch die Süddeutsche Zeitung schloss sich mit dem Slogan an: "Deutsche Löhne steigen kräftig"! Immerhin, wichtige Hinweise, wie das der Anstieg auf den statistischen Basiseffekt zurückzuführen ist und vor allem aus der sinkenden Kurzarbeit resultiert, wurden in Bezug auf das Statistische Bundesamt erwähnt.

Im 2. Quartal 2010 stiegen die realen (preisbereinigten) Bruttolöhne in Deutschland um +2,3% zum Vorjahresquartal um die höchste Rate seit Beginn der Index-Berechnung im Jahr 2007.

Upps, spätestens die lange Datenreihe seit Q1 2007 sollte schon mal stutzig machen...!

Die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste, einschließlich der Sonderzahlungen (Urlaubs-, Weihnachtsgeld, Leistungsprämien) stiegen nominal um +3,4% im Vergleich zum Vorjahresquartal. Nach Abzug des Verbraucherpreisanstiegs von "offiziellen" 1,1% von Q2 2009 bis Q2 2010 ergab sich ein Reallohnindex von 107,8 Punkten was einem Anstieg von +2,3% zum Vorjahresquartal mit 105,4 Indexpunkten entsprach!

Die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste ohne Sonderzahlungen (Urlaubs-, Weihnachtsgeld, Leistungsprämien) der Arbeitnehmer im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich stiegen nominal um +3,2% auf 3229 Euro Brutto im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Nun wird sich mancher gebeutelter abhängig Beschäftigter die Augen reiben, durchschnittlich 3229 Euro Bruttolohn in Deutschland, sogar ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld, ...den hätten sicher viele gerne!

Aber das "Wunder" ist leicht erklärbar, denn der Reallohnindex der die steigenden Löhne in Deutschland belegen soll, basiert auf der vierteljährlichen Verdiensterhebung, diese wiederum auf dem Verdienststatistikgesetz vom 1. Januar 2007. Diese Erhebung ist wirklich großartig, die Datenreihe geht teilweise, so für den Reallohnindex, nur bis Q1 2007 zurück und vor allem klammert sie einen großen Teil der Problemfelder am Arbeitsmarkt aus und ist damit ein perfektes potemkinsches Dorf! Die Verdiensterhebung basiert ausschließlich auf vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, nicht einbezogen werden alle Teilzeitbeschäftigten, geringfügig Beschäftigte, Auszubildende, Praktikanten, Personen, die keinen Verdienst für ihre Leistung erhalten, tätige Inhaber, Mitinhaber und Familienangehörige ohne Arbeitsvertrag, ausschließlich auf Honorarbasis bezahlte Personen, Personen im Vorruhestand, Arbeitnehmer in Altersteilzeit, und Personen in so genannten 1-Euro-Jobs.

Die vierteljährliche Verdiensterhebung bezieht sich also nur auf die Verdienstentwicklung der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer und stellt "die durchschnittliche Verdienstentwicklung bei konstanter Zusammensetzung der Arbeitnehmerschaft dar". Aha, sehr "realitätsnah" zeigen die ermittelten Indizes also nur an: "wie sich die durchschnittlichen Bruttoverdienste der Arbeitnehmer verändert hätten, wenn im jeweiligen Vergleichszeitraum die gleiche Struktur der Arbeitnehmerschaft bestanden hätte wie im Basiszeitraum". Quelle PDF: Reallohnindex und Index der Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen

Berichte von steigenden Löhnen und -gehältern, gar Reallöhnen, die auf Basis solcher Statistiken basieren, sind passend zum aktuellen Trend der positivistischen Propaganda und eine Beleidigung für jeden kritischen Beobachter!

Dabei bietet die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ein umfassendes Bild der Entwicklung der Bruttolöhne- und gehälter! Hier werden alle Arbeitnehmerentgelte, die Gesamtbruttosumme aller Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer, Angestellten, Beamten, aller in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis stehenden, inklusive der Sozialbeiträge der Arbeitgeber in Deutschland erfasst. Nach Abzug der Sozialbeiträge der Arbeitgeber erhält man die Gesamtumme aller Bruttolöhne und -gehälter. Geteilt durch die jeweils durchschnittliche Anzahl aller Beschäftigten, werden in der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auch die durchschnittlichen Bruttomonatslöhne- und gehälter je Quartal angegeben.

Der durchschnittliche Saison- und kalenderbereinigte Bruttomonatslohn je Arbeitnehmer (geglättet, inkl. der Sonderzahlungen) betrug in Q2 2010 2359 Euro und stieg nominal um +2,4% und real um +1,4% zum Vorjahresquartal. Dies mag vielleicht prozentual noch nicht als gravierender Unterschied beurteilt werden, aber die lange Datenreihe der realen Bruttolöhne- und gehälter seit Q1 1991 zeigt deutlich, was die Datenreihe der Verdiensterhebung seit Q1 2007 nicht darstellen kann:

Die Entwicklung der durchschnittlichen realen Bruttolöhne- und gehälter je Arbeitnehmer seit Q1 1991! Reale Bruttolöhne- und gehälter = nominale Saison- und kalenderbereinigte Bruttolöhne- und gehälter um den Verbraucherpreisindex 2005 = 100 bereinigt.

Zwar stiegen die Reallöhne in den letzten vier Quartalen leicht an, aber deutlich macht diese Datenreihe, dass beschämender Weise, zwei Jahrzehnte an unvergleichbaren Produktivitäts- und Technologiesprüngen an den Reallöhnen der Arbeitnehmer in Deutschland spurlos vorbeigegangen sind! In Q2 2010 betrug der reale Bruttolohn bereinigt nur 2184 Euro (2005 = 100) und lag damit sogar unter dem Niveau aus Q4 1991 mit damals 2190 Euro an realem Bruttomonatslohn je Arbeitnehmer.

Folgerichtig hätte die eigentliche Headline gestern lauten müssen: "Reallöhne in Deutschland auf dem Niveau wie vor 19 Jahren"! Nur von welchem Mainstream-Medium könnte man so eine bittere Wahrheit erwarten?

Die schwache Lohnentwicklung spiegelt auch das Lohnsteueraufkommen in Deutschland wider:

Die Entwicklung des quartalsweisen Lohnsteueraufkommens in Deutschland aus der Statistik über das Steueraufkommen (Code 71211) von Destatis. Von einem Aufschwung der Bruttolöhne ist auch dort nichts zusehen, im 2. Quartal 2010 lag das Lohnsteueraufkommen bei 30,447 Mrd. Euro, nach 30,481 Mrd. Euro im Vorjahresquartal! Im Monatsbericht September der Deutschen Bundesbank PDF Seite 138, zeichnet sich auch für Juli kein anderes Bild. Im Juli 2010 betrug das Lohnsteueraufkommen 11,286 Mrd. Euro, nach 12,073 Mrd. Euro im Vorjahresmonat!

Wegen den Ausreißern, jeweils im 4. Quartal, auf Grund des Weihnachtsgeldes beim Lohnsteueraufkommen, hier noch der Chart mit dem gleitenden vier Quartals Durchschnitt des Lohnsteueraufkommen. Das gleitende vier Quartals-Lohnsteueraufkommen liegt aktuell unter dem Niveau aller Quartale aus dem Jahr 2000.

Die Lohnsteuer ist Teil der Einkommensteuer und erhebt Einkünfte auf nichtselbständige Arbeit. Die Lohnsteuer wird von den Arbeitgebern an Hand der Bruttolöhne berechnet und einbehalten und direkt an die zuständigen Finanzämter abgeführt (Quellensteuer). Lohnsteigerungen ohne entsprechende Steigerungen beim Lohnsteueraufkommen sind in der Realität nicht möglich, zu mindestens besteht dann keine Daten-Konsistenz, deshalb immer schön die Taschen zuhalten, wenn momentan Medien von steigenden Löhnen berichten.

Wie die Lage in den letzten Jahren aussah, verdeutlicht noch ein internationaler Vergleich der Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte:

Im Vergleich die prozentuale Entwicklung der nominalen Arbeitnehmerentgelte von 2000 bis 2009 von Deutschland und ausgewählten Volkswirtschaften. Die Arbeitnehmerentgelte spiegeln die Gesamtbruttosumme aller Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer, Angestellten, Beamten, aller in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis stehenden wider, inklusive der Sozialbeiträge der Arbeitgeber. Quelle Daten für die Grafik: Eurostat/Datenbank-Wirtschaft Finanzen-Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

Reloaded: "Nachschlag", ""Deutschland ist ein Problem"", "Verfehlte Freude", "Juncker platzt der Kragen", "Deutschlands Boom", "Voodoo-Schland", "Unhaltbare Leistungsbilanzen"


Quellen Daten: Destatis.de/Pressemitteilung Reallöhne, XLS Reallohnindex und Index der Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen - 2. Vierteljahr 2010, Genesis.destatis.de/Datenbank: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Mittwoch, 22. September 2010

"Auftragseingänge in der EU sinken"

Wie hier erwartet, verdichten sich immer mehr die Hinweise, dass die wirtschaftliche Dynamik nachlässt. Das Europäische Statistikamt Eurostat berichtete heute, dass im Juli 2010 in der Eurozone die Auftragseingänge der Industrie um saisonbereinigte -2,42% zum Vormonat sanken. Dies war der stärkste monatliche Rückgang seit Dezember 2008. Befragte Volkswirte hatten nur einen Rückgang von -1,6% erwartet, so dass die Schlagzeile: "Eurozone-Auftragseingang sinkt im Juli unerwartet stark", lautete.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Auftragseingänge im Juli noch um +11,15%, nach +22,67% im Juni.

Die Entwicklung der Auftragseingänge der Industrie in der Eurozone (EU16) in Prozent zum Vorjahresmonat seit Januar 2000. In der EU27 fielen die saisonbereinigten Auftragseingänge um -2,33% zum Vormonat und stiegen um +12,5% zum Vorjahresmonat.

Die Indizes der Auftragseingänge der Industrie der EU16 und der EU27 seit Januar 1996. Im Juli sank der Index der Auftragseingänge in der Eurozone auf 103,20 Punkte, dies war ein Einbruch zum Hoch im November 2007 von beachtlichen -18,78%! Während im Juli 2010 der saisonbereinigte Auftragseingangs-Index in der Eurozone um -2,42% zum Vormonat fiel, zeigten die unbereinigte Originaldaten mit -7,61% in der Eurozone und -9,36% in der EU27 schon eine kräftigere Dynamik nach unten an!

Der Rückgang bei den gesamten Auftragseingängen ging vor allem auf das Konto der sinkenden Auftragseingänge für Investitionsgüter, die um saisonbereinigte -5,1% zum Vormonat in der Eurozone sanken und um saisonbereinigte -5,7% in der EU27.

Wie ebenfalls bei Querschüsse erwartet, zeigen vor allem die PIGS-Staaten miese Auftragseingänge an, die Erholung verlief in den letzten Monate nur schleppend bzw. die PIGS kämpften mit einer Bodenbildung. Stellvertretend die griechischen und italienischen Auftragseingänge im Chart:

Die saisonbereinigten Auftragseingänge der griechischen Industrie seit Januar 2000. Im Juli ging es um bereinigte -5,4% abwärts. Zum Hoch im Januar 2007 ging es bis Juli 2010 um -37,69% abwärts.

Die saisonbereinigten Auftragseingänge der italienischen Industrie seit Januar 1991. Im Juli 2010 ging es bereits den zweiten Monat in Folge abwärts, diesmal um bereinigte -3,16% zum Vormonat. Zum Hoch im November 2007 ging es bis Juli 2010 um -24,06% abwärts.

Die saisonbereinigten Auftragseingänge der deutschen Industrie seit Januar 1991. Im Juli 2010 ging es um saisonbereinigte -2,57% zum Vormonat abwärts, bei den unbereinigten Originaldaten sogar um -7,83%. Zum Hoch im November 2007 mit 128,9 Indexpunkten sanken die Auftragseingänge im Juli 2010 noch um -14,66% auf 110,0 Indexpunkte.

Ein Blick auf die Entwicklung der gesamten In- und Auslandsauftragseingänge der deutschen Industrie:

Die Entwicklung der gesamten Inlandsauftragseingänge Deutschlands seit Januar 1991 (blau) und die der Auslandsauftragseingänge (rot).


Das deutsche statistische Bundesamt (Destatis) liefert noch beindruckende Daten zu den In- und Auslandaufträgen bei Konsumgütern in Deutschland. Die jahrelange Lohnzurückhaltung und der ausgeweitete Billiglohnsektor haben deutlich ihre Spuren hinterlassen und nur dank der starken Auslandsaufträge knipst bei der deutschen Konsumgüterindustrie niemand das Licht aus:

Die Entwicklung der Inlandsauftragseingänge Deutschlands für Konsumgüter seit Januar 1991 (blau) und die der Auslandsauftragseingänge für Konsumgüter (rot). Bei den Inlandsaufträgen für Konsumgüter geht es seit Januar 1991 um saisonbereinigte -36,6% abwärts, während die Auslandsaufträge seit Januar 1991 bis Juli 2010 um +88,6% stiegen!

Dienstag, 21. September 2010

"Gewerbliche US-Immobilien mit -3,1% im Juli"

Die Ratingagentur Moodys hat die neuesten Daten zu den gewerblichen Immobilienpreisen in den USA für den Monat Juli 2010 veröffentlicht. Der Moody’s/REAL All Property Type Aggregate Index (CPPI), ein Preisindex, fiel im Juli um -3,1% zum Vormonat auf 108,98 Indexpunkten, nach 112,51 Indexpunkten im Vormonat! Im Vergleich zum Vorjahresmonat mit 117,56 Indexpunkten fielen die Preise um -7,3%.

Die Entwicklung des CPPI seit Dezember 2000. Im Vergleich zum Hoch im Oktober 2007 brachen die Preise bis Juli 2010 für gewerbliche Immobilien um kräftige -43,2% ein! Im Juli 2010 befinden sich die Preise nur noch um +0,9% über dem Tief der Finanz- und Wirtschaftskrise aus dem Oktober 2009 mit 107,98 Punkten!

Zwischen 2010 bis 2014 werden 1,4 Billionen Dollar an gewerblichen Hypotheken fällig bzw. müssen refinanziert werden. Über 50% der gewerblichen Immobilien stehen "unter Wasser", dies bedeutet der Wert der gewerblichen Immobilien liegt unter dem Wert der noch ausstehenden Hypothek und jeder weiterer Preisverfall erhöht das Problem.


Auch die Kreditausfälle bei den Kreditverbriefungen für gewerbliche Immobilien (Commercial Mortgage-Backed Securities (CMBS)) kletterten im Juli 2010 weiter, auf 60,84 Mrd. Dollar:

Die Entwicklung des Volumens der Kreditausfälle bei den CMBS. Im Juli 2010 stiegen die Zahlungsausfälle auf 60,84 Mrd. Dollar, um +0,6% zum Vormonat (60,45 Mrd. Dollar) und um +136,9% zum Vorjahresmonat (25,68 Mrd. Dollar)! Das Tief wurde im März 2007 markiert mit einem säumigen CMBS-Volumen von 2,21 Milliarden Dollar.

Bemerkenswert, bei einem Volumen von 29,64 Mrd. Dollar betrug der Zahlungsausfall bereits mehr als 90 Tage! Bei einem gesamten CMBS-Kreditausfall von 60,84 Mrd. Dollar innerhalb des CMBS-Pools von 780,97 Mrd. Dollar betrug das Delinquency Ratio, die zahlungssäumige Rate 7,79%!

Diese Daten lieferte Realpoint, die Kreditratingagentur für strukturierte Finanzprodukte und insbesondere Spezialist für CMBS-Papiere. Bis Ende 2010, so berichtete Realpoint werde das zahlungssäumige Volumen auf 80-90 Mrd. Dollar steigen. Auf Basis der aktuellen Trendanalyse wird das Delinquency Ratio im schlechtesten Szenario auf gewaltige 11% steigen!

Der starke Anstieg der Kreditausfälle von +19% im 2. Quartal 2010 bei Kreditverbriefungen für gewerbliche Immobilien weist auch auf die gesamten miesen Delinquency Rates am Immobilienmarkt hin. In Q2 2010 betrug laut US-Notenbank das Volumen aller von Zahlungsausfällen betroffener Real Estate Loans der US-Geschäftsbanken, dies sind Hypotheken von Wohn- und gewerblichen Immobilien, die bereits mehr als 30 Tage im Zahlungsverzug waren, unbereinigte 354,519 Mrd. Dollar bzw. entsprach einer saisonbereinigten Rate von 10,05%!

Die gewerblichen Immobilien "glänzten" mit einer Delinquency Rate von saisonbereinigten 8,79%, dies entsprach einem Kreditvolumen von unbereinigten 126,668 Mrd. Dollar, das von mehr als 30 Tagen Zahlungsverzug betroffen war.

Bei diesen Zahlungsausfällen, von der FED ermittelt, handelt es sich nur um Ausfälle aus Forderungen der US-Geschäftsbanken und diese haben "nur" 3,707 Billionen Dollar an Hypotheken aus Wohn- und gewerblichen Immobilien (Total Mortgage) in ihren Büchern.

Insgesamt waren im 2. Quartal 2010 immer noch Forderungen aus einem ausstehenden Hypothekenvolumen von 14,02 Billionen Dollar unterwegs, man kann sich leicht ausrechnen auf was für eine Summe man kommt, wenn man die Delinquency Rate der FED für die Geschäftsbanken von 10,05% auf die gesamten Forderungen aus Wohn- und gewerblichen Immobilien (Total Mortgage) in Höhe von 14,02 Billionen Dollar anwendet und warum sollte man dies nicht tun!

Noch ein Blick auf die GSE-Hypothekenmoloche:

Die ausstehenden Kreditmarktinstrumente (als Aktiva in der Bilanz) der Government-Sponsored Enterprises GSEs in Höhe von 6,449 Billionen Dollar per Q2 1010 (meist Mortgage Backed Securities, durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere).

Darunter befand sich per Ende Juni 2010 ein Volumen von 5,040 Billionen Dollar an Forderungen aus Hypothekenkrediten (Total Mortgage Assets). Die GSEs mussten zum Anfang des Jahres auf Grund geänderter Bilanzierungsvorschriften den größten Teil ihrer außerbilanziellen Vehikel in die Bilanz übernehmen, so das erstmalig in den Bilanzen fast das wahre Ausmaß der Verwerfungen, vermeintlich abgesichert mit Staatsgarantie, sichtbar wird. Fast, weil immer noch weitere 1,0716 Billionen Dollar an Forderungen der GSEs außerbilanziell in Mortgage Pools schlummern!

Für die potentiellen Verluste der GSEs (Fannie Mae, Freddie Mac und Ginnie Mae) besteht eine unbegrenzte Staatsgarantie des nackten Kaisers, die solange noch funtioniert, wie die Marktteilnehmer die vermeintlich schillernden Kleider des Staates in ihrer Wahrnehmung akzeptieren.

Die staatlich geförderten Hypothekenmoloche waren die wichtigsten Pfeiler, auf denen die Verwerfungen an den US-Immobilienmärkten ruhten. Sie verbrieften Hypothekendarlehen, von Kreditgebern des Primär-Hypothekenmarktes, die damit aus den Bilanzen der Banken am Primärmarkt verschwanden und Platz für neue Kreditvergabe schafften, in hypothekarisch gesicherte Wertpapiere (Mortgage Backed Securities-MBS) in denen dann Investoren weltweit anlegen und handeln konnten.

Vor dem Hintergrund der hier dargelegten Fakten, der aktuellen Entwicklung und den enormen Risiken am US-Immobilienmarkt "beruhigt" es doch ungemein, dass gestern durch das Business Cycle Dating Committee des National Bureau of Economic Research (NBER), die längste US-Rezession seit dem 2. Weltkrieg für offiziell beendet erkärt wurde und dies bereits zum Juni 2009.

Reloaded: "Tribut der Hypothekenmoloche"

Quelle Daten: Moodys.alacra.com, PDF Realpoint.com, Federalreserve.gov/Delinquency Rates, Delinquent Loans, Federalreserve.gov/Flow of Funds Accounts of the United States - Z.1

Sonntag, 19. September 2010

"Die Not mit der Schönfärberei"

Spiegel-Online gab sich heute zum wiederholten Male als Sprachrohr der unkritischen XL-Aufschwungspropaganda her. Not auf dem Jobmarkt: Deutschland gehen die Arbeitskräfte aus, lautete die Überschrift eines Artikels der die Aufschwungsthesen und seine Segnungen auf den Arbeitsmarkt und den angeblichen Fachkräftemangel in Deutschland zeichnet. Dies verdeutlicht einmal mehr die Notwendigkeit von alternativen Informationsangeboten, um ein klareres Bild von der wirtschaftlichen Lage zu zeichnen.

Im Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im August 2010 offiziell 3,188122 Millionen als arbeitslos registriert, davon 939'000 bzw. 32,2% Langzeitarbeitslose! Die Zahl der Leistungsempfänger aus Alg I und Alg II betrug insgesamt 5,825562 Millionen. Nur noch 54,7% davon werden als offiziell Arbeitslos ausgewiesen, 2,364440 Millionen tauchen in der offiziellen Arbeitslosenzahl gar nicht auf, sondern diese werden unter erwerbsfähige Hilfebedürftige (Alg II) im statistischen Tabellenanhang des Monatsberichts verbucht. Vor diesem Hintergrund des Reservoirs an potentiellen Arbeitskräften einen Fachkräftemangel und Not auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland zu konstruieren ist schon ein unverschämtes Stück der positivistischer Propaganda.

Die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit), u.a. mit denen die sich in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen nach dem SGB II befinden, inkl. Altersteilzeit und Existenzgründungszuschüsse u.ä. nach SGB III lag im August 2010 bei 4,257082 Millionen!

Das Deutschland von einem Beschäftigungswunder weit entfernt ist, verdeutlichen auch die Zahlen zur Unterbeschäftigung mit den Kurzarbeitern in Vollzeitäquivalenten, welche die BA im aktuellen Bericht mit den detaillierten Daten für März 2010 mit 5,055 Millionen angab! Dies entsprach einem Anstieg im Vergleich zu März 2009 von +33'000 bzw. um +1%!

Die Zahl der Erwerbstätigen, hat Dank Kurzarbeit nicht stark unter der Wirtschafts- und Finanzkrise gelitten, nach den letzten Daten für Juli 2010 waren unbereinigte 40,199 Millionen erwerbstätig, dies entsprach einem Rückgang zum Vormonat von -65'000 und einem Anstieg zum Vorjahresmonat von +141'000. Nur.... - einen Beschäftigungsboom kann man aus der Entwicklung nicht ableiten!

Auch der Langfristchart mit den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten straft dem großen Aufschwung Lügen:

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, nach den letzten Daten der BA für Ende Juni 2010, sind zwar auf 27,663800 Millionen angestiegen, aber ein Chart (von Q1 1991-Q2 2010) der eine "Not auf dem Jobmarkt" widerspiegelt, sieht wohl anders aus.

Über fünf Millionen der sozialversicherten Jobs sind Teilzeitjobs, 704'400 gehen auf das Konto der Zeitarbeitnehmer. Beschämende 542'000 sozialversicherungspflichtige Jobs werden mit Alg II aufgestockt, darunter sogar 324'000 sozialversicherungspflichtige Jobs in Vollzeit! Im Juni 2010 war die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung im Vergleich zum Vorjahresmonat um +174'000 oder um +3,4% angestiegen und die sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung nur um +109'000 bzw. um +0,5%. Diese Daten liefern einen deutlichen Blick auf die eher miese Qualität der aktuellen Entwicklung.

Zum Juni 2010 stieg die Zahl der Leiharbeitnehmer auf 704'400 bzw. um +94'680 im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Chart mit der Zahl der Leiharbeitnehmer seit Januar 1991.

Die Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten lag Ende Juni 2010 bei 7,1449 Millionen, darunter 4,8382 Millionen die ausschließlich geringfügig entlohnt sind. Beschämende 2,3067 Millionen gingen einem geringfügig entlohnten Zweitjob nach, obwohl sie bereits in einem sozialversicherten Job beschäftigt waren!

Nach den letzten verfügbaren Daten für April 2010 verdienten insgesamt 1,38 Millionen bzw. 27% aller erwerbsfähigen Alg II Leistungsbezieher Einkommen aus Erwerbstätigkeit. Im Vergleich zum Vorjahresmonat war dies ein Anstieg von +86'000 bzw. um +7% und straft gängigen Vorurteilen zur geringen Arbeitsbereitschaft und Flexibilität mit der Macht des Faktischen!

Als sinnvolles Instrument der Arbeitsmarktpolitik stellt sich die Kurzarbeit dar, an der man die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise ablesen kann. Die letzten Daten der tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld liegen nur bis März 2010 vor, zu diesem Zeitpunkt bezogen 829'510 Kurzarbeitergeld, was bei einem durchschnittliche Arbeitszeitausfall von 37% einem Vollzeitstellenäquivalent von 305'000 Kurzarbeitern entsprach.

Gemessen an 5,825562 Millionen Alg I und Alg II Empfängern im August 2010, 4,8382 Millionen die ihr Dasein in ausschließlich geringfügig entlohnten Jobs Ende Juni 2010 fristeten, 704'400 Leiharbeitnehmern Ende Juni und zuletzt im März 829'510 Kurzarbeitern ist die Berichterstattung der sich am XL-Aufschwung beteiligten Medien entlarvend.

Ende Juni 2010 berichtete das Statistische Bundesamt auf der Basis von Ergebnissen der Arbeitskräfteerhebung, dass 2009 8,6 Millionen Menschen mehr Arbeitsstunden leisten möchten. Diese Zahl setzte sich zusammen aus 4,2 Millionen Unterbeschäftigten, 3,2 Millionen Erwerbslosen und 1,2 Millionen Personen in Stiller Reserve. Zur Stillen Reserve gehören u.a. Arbeitskräfte, die beschäftigungslos, verfügbar und auf Arbeitsuche sind, ohne als Arbeitslose gemeldet zu sein; Personen, die die Arbeitsuche entmutigt aufgegeben haben, aber bei guter Arbeitsmarktlage Arbeitsplätze nachfragen würden; Personen, die aus Arbeitsmarktgründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind und aus Personen in Warteschleifen des Bildungs- und Ausbildungssystems.

Das am Aufschwung in Deutschland vor allem der Export einen erheblichen Anteil hat und in Q2 2010 gewaltigen 46,29% des nominalen BIP entsprach, wird verkannt und das dieser "Erfolg" größtenteils auf der Reaktivierung der Defizitkonjunktur vieler importierender Länder mit Hilfe der staatlichen Maßnahmen basiert. Nur die Konjunkturprogramme lassen nach und wie schon 2009 könnte Deutschland ein Déjà-vu beim Export erleben!

Wie exportgetrieben die deutsche Konjunktur ist verdeutlicht ein Blick auf den privaten Konsum. Im 2. Quartal 2010 stieg der Konsum der privaten Haushalte um nominale bereinigte +1,2%. Die Exporte von Waren, Güter und Dienstleistungen hingegen stiegen um nominale bereinigte +9,4%. Von Q1 2000 bis Q2 2010 stieg der Konsum der privaten Haushalte um nominale +19,75%, die Exporte von Waren, Güter und Dienstleistungen stiegen im gleichen Zeitraum um nominale +76,9%!

Im Juli 2010 exportierte Deutschland Waren und Güter in einem unbereinigten Volumen von 83,0 Mrd. Euro, nach 86,4 Mrd. Euro Vormonat und nach 70,52 Mrd. Euro im Vorjahrsmonat.
Auch ein Blick auf den Output beim deutschen Rohstahl, als ein Grundstoff der Produktion macht die deutlich schwindenden Wachstumskräfte sichtbar:

Die Entwicklung der Rohstahlproduktion in Deutschland seit Januar 1991! Im August 2010 sank der Output um -1,1% zum Vormonat auf 3,453 Millionen Tonnen. Zum letzten Hoch im Mai 2010 geht es bereits um kräftige -15,2% abwärts.

Die unbereinigten Originalwerte des breitgefassten Produktionsindex für das produzierende Gewerbe seit Januar 1991. Um -5,2% ging es im Juli 2010 zum Vormonat abwärts auf 104,3 Indexpunkte, nach 110 Indexpunkten im Juni. Die Originalwerte beim Output der Produktion spiegelten sofort das leicht geschrumpfte Exportvolumen Deutschlands wider!

Beim deutschen Fahrzeugbau, dem Kernstück der industriellen Produktion setzte im Juli bereits eine kräftigere Korrektur ein. Der arbeitstäglich- und saisonbereinigten Fahrzeugbau-Index brach im Juli um -4,61% ein, auf 99,3 Punkte. Die Originalwerte beim unbereinigten Fahrzeugbauindex brachen sogar um -13,8% zum Vormonat ein, auf 98 Indexpunkte, nach 113,7 Indexpunkten im Vormonat.

Deutlich waren im Juli 2010 auch die Rückgänge der unbereinigten Indizes für die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe:

Die Entwicklung der unbereinigten Auftragseingänge für das gesamte Verarbeitende Gewerbe seit Januar 1991. Der Volumenindex sank im Juli 2010 um kräftige -7,6% auf 105,8 Punkte, nach 114,5 Punkten im Juni. Auch hier wird deutlich wo die Musik spielte, denn die Auslandsaufträge sanken um -10%!

Besonders beeindruckend und Beleg für die schwache deutsche Nachfrage ist ein Blick auf die Inlandsaufträge bei Konsumgütern des Verarbeitenden Gewerbes:

Die Hersteller von Konsumgütern verbuchen ein ständiges Schrumpfen bei den bereinigten inländischen Auftragseingängen. Seit Januar 1991 gehts um -36,6% bei den inländischen Auftragseingängen bis Juli 2010 abwärts!

Im Gegenzug steigen seit 1991 die Auslandsaufträge für Konsumgüter an:

Die extrem schwachen Auftragseingänge für Konsumgüter aus dem Inland (blau) wurden allerdings weitgehend von den steigenden Auftragseingängen aus dem Ausland (rot)ausgeglichen (grün: gesamte Auftragseingänge). Trotzdem wirft der Chartverlauf und damit die schwache Inlandsnachfrage nach Konsumgütern ein bezeichnendes Licht auf Deutschland.

Auch beim Fahrzeugbau sieht es nicht mehr rosig aus:

Im Juli sanken die unbereinigten Originalwerte der gesamten Auftragseingänge im Fahrzeugbau um kräftige -16,7% zum Vormonat auf 100,4 Indexpunkte, nach 120,5 Indexpunkten im Juni! Um satte -20% zum Vormonat sanken die unbereinigten Auftragseingänge aus dem Ausland und um -9,7% aus dem Inland!

Die deutsche PKW-Nachfrage liegt schon seitdem Auslaufen der Abwrackprämie am Boden:

Die monatlichen PKW-Neuzulassungen in Deutschland seit Januar 2000. Nach dem letzten staatlich induzierten Aufbäumen ist der Trend stark abwärts gerichtet! Im August 2010 sanken die Neuzulassungen um -27% zum Vorjahresmonat. Nur noch 200'885 PKWs wurden neuzugelassen, dies war nur noch knapp über den 197'439 PKWs aus dem Januar 2010, dem bisherigen Allzeittief seit 1990!

Die schwachen deutschen privaten Konsumausgaben anhand der realen Einzelhandelsumsätze:

Der Index der realen bereinigten Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994. Der Abwärtstrend ist seit Dezember 2006 weiter intakt. Der reale nach dem X12-Arima Verfahren bereinigte Index sank im Juli 2010 auf 98,0 Punkte, nach 98,3 Punkte im Juni.

Wo sollte die private Nachfrage in Deutschland auch her kommen, die Einkommensentwicklung ist seit Jahren schwach:

Die Entwicklung der durchschnittlichen deutschen nominalen Jahresbruttoverdienste je Arbeitnehmer seit 1995 (blau). 2009 sank der durchschnittliche nominale Jahresbruttoverdienst erstmals um -0,3% zum Vorjahr auf 27'746 Euro! Bereinigt man die Bruttoverdienste um den Verbraucherpreisindex (rot) sieht die Einkommensentwicklung je Arbeitnehmer noch schlechter aus. Real sanken die Bruttoverdienste seit dem Jahr 2000 um -2,35% (nominal +10,3%) und genaugenommen lagen die realen Bruttoverdienste 2009 mit 24'558 Euro auf dem tiefsten Stand seit 1994! Eine langanhaltende Stagnation bzw. eine dauerhafte Nullrunde zeichnen die realen Bruttoverdienste!

Im Jahr 2009 lagen die durchschnittlichen realen (preisbereinigten) Nettolöhne um -2,48% unter dem Niveau von 2000 und liegen mit 15'815 Euro sogar unter dem Niveau von 1991 (mit 15'929 Euro).

Die Entwicklung der bereinigten Summe aller nominalen Arbeitnehmerentgelte in Deutschland und der Summe der bereinigten nominalen Unternehmens- und Vermögenseinkommen von 2000=100 bis Q2 2010. Um nominale +13,88% stiegen die nominalen Arbeitnehmerentgelte seit 2000 bis Q2 2010 und um nominale +52,96% die Unternehmens- und Vermögenseinkommen.

Deutlich erkennbar macht dieser Chart, die Unternehmens- und Vermögenseinkommen koppelten sich erst Mitte 2003 von der Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte ab und dies zeigt deutlich wer bisher von der einseitigen Exportorientierung der deutschen Wirtschaft profitierte.

Legt man die Charts, von der Entwicklung der bereinigten Exportvolumen und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen übereinander, offenbart sich eine bemerkenswerte Deckungsgleichheit:

Blau (linke vertikale Achse) das Exportvolumen, rot (rechte vertikale Achse) die Entwicklung der Unternehmens- und Vermögenseinkommen, jeweils in Mrd. Euro auf Quartalsbasis von Q1 1991 bis Q2 2010.

Der angebliche XL-Aufschwung und das deutsche "Jobwunder" stehen und fallen vor allem mit dem Export und schon jetzt kann man an Hand der letzten Wirtschaftsdaten erkennen, dass der Zenit der Auslandsnachfrage bereits überschritten sein könnte!