Mittwoch, 22. Oktober 2008

"WestLB - die Dritte"

Um den Überblick zu den Problemen der Landesbanken abzurunden und damit auch zu beenden, noch ein Blick auf die drittgrößte Landesbank die WestLB, welche als Eigner das Bundeslandes NRW, die Sparkassen und die Landschaftsverbände hat.

Die WestLB sonnt sich bereits in einem Risikoschirm ("Phönix") des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und der nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände in Höhe von 5 Mrd. Euro. Durch die Garantie wurde der größte Teil der Risiken aus strukturierten Wertpapieren einer nicht zu konsolidierenden Zweckgesellschaft dauerhaft übertragen. Hierbei handelt es sich um riskante Geschäfte, den Kauf von US-Kreditverbriefungen durch die WestLB, mit einem Volumen von 23 Milliarden Euro, welche zu Anschaffungskosten bzw. Nominalwerten der Zweckgesellschaft übertragen wurde.

> Unter den unwiderruflichen Kreditzusagen sind auch die Ankaufs- und Liquiditätszusagen an die ehemaligen konsolidierten Zweckgesellschaften, Greyhawk, Harrier und Kestrel enthalten, deren Vermögenswerte nun in der neuen außerbilanziellen Zweckgesellschaft gelandet sind. <


> Die Verbindlichkeiten der WestLB. <

Die Summe der Aktiva, Bilanzsumme, beträgt 267,83 Mrd. Euro, das Eigenkaital nur 5,11 Mrd. Euro. Das Leverage Ratio liegt beim 52,4-fachen.

Die Risikopositionen gibt die WestLB selber mit 92,9 Mrd. Euro an! Die Finanzanlagen der LB betragen 15,1 Mrd. Euro, hauptsächlich bestehend aus Schuldverschreibungen und anderen festverzinslichen Wertpapieren!

> Das nominale ausstehende Derivate-Portfolio der WestLB toppt alle anderen spekulativen Landesbanken. 105% des BIPs der Bundesrepublik Deutschland bzw. 2,542 Billionen Euro hält die WestLB an derivativen Finanzwetten, darunter ein Volumen an gefährlichen Kreditderivaten von 135,7 Mrd. Euro! <

Quelle: WestLB Halbjahresbericht 2008

Sicher sind die Landesbanken nur ein Problem in der weltweiten Finanzkrise, dennoch kennzeichnen sie besonders das Versagen aller Kontrollinstanzen! Die 3 führenden Landesbanken Deutschlands halten ein Volumen von 5,9 Billionen Euro an ausstehenden Derivaten, das 4,98-fache ihrer Bilanzsumme bzw. 243,4% des deutschen BIPs. Auch das Engagement an Kreditderivaten in gemeinsamer Höhe von 361,1 Mrd. Euro verursacht pures Unverständnis.

Die Drei schieben eine Bilanzsumme von zusammen 1,183 Billionen Euro vor sich her, mit einem Eigenkapital von nur 25,25 Mrd. Euro. Das durchschnittliche Leverage Ratio liegt beim unglaublich 46,85-fachen!

Ein einfacher und ungeschminkter Indikator für den Fremdkapitaleinsatz und den Risiken daraus, das Leverage Ratio, hätte das Desaster auch der Landesbänker mindern können, doch dieser Indikator wurde auch von den Deutschen verschmäht:

"Sie haben vielleicht wahrgenommen, dass von einer der vier US-Aufsichtsbehörden (FDIC) der Vorschlag geäußert wurde, als ergänzendes Element zu den Mindestkapitalanforderungen der ersten Säule von Basel II auf internationaler Ebene eine zusätzliche „Leverage Ratio“ vorzugeben, also eine aufsichtlich vorgegebene Mindestquote für das Verhältnis von Eigenkapital zu Bilanzaktiva. Zu diesem Vorschlag haben sich die Bankenaufseher der EU-Mitgliedsländer klar positioniert: die Leverage Ratio ist kein geeigneter Maßstab für Mindestkapital, vor allem aufgrund der fehlenden Risikosensitivität und ihres statischen Charakters." Dr. h. c. Edgar Meister, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, am 14. November 2006

Stattdessen wird Basel II hochgehalten, dieses verlangt von den Banken , dass Kreditrisiken, Marktrisiken oder operationelles Risiko mit Eigenkapital zu unterlegen sind. Die ihnen zugeordneten Risikogewichten und Risikopositionen sollen jederzeit mit durchschnittlich mindestens 8% an haftendem Eigenkapital abgesichert sein. Die Risikogewichte sind es, die den Kern von Basel II ausmachen und hier ist der Haken! Die Banken bewerten oft ihre Risiken niedriger, als sie wirklich sind, sie orientieren sich an den fehlerhaften Bewertungen der Ratingagenturen, arbeiten mit viel zu tiefen Risikogewichten und unterlegen ihre Risiken mit zu wenig Eigenkapital. Sanktionen bei einer falschen Risikogewichtung sind nach Basel II nicht vorgesehen. Ein vorgeschriebenes maximal zulässiges Leverage Ratio von dem 15 bis 20-fachen, oder weniger hätte Verwerfungen an den Finanzmärkten dieses Ausmaßes verhindert!

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de